Einmal um die ganze Welt...

Diesmal erschien NOK gewaschen, betont pünktlich und ohne Auto am Flughafen. Vielleicht ein beginnender Lernprozess oder wollte er nur die bereits an den Reiseleiter OH bezahlten 5.000 DM nicht gefährden? Beim Einchecken der 4köpfigen Reisegruppe, bestehend aus OH mit Freundin AA, deren Freundin BG und wie gesagt NOK, gab es die erste Überraschung. Wie man die sieben Gepäckstücke auch drehte und wendete, die 20kg-Freigepäckgrenze wurde bei allen erheblich überschritten. Hatte NOK etwa einen tragbaren Black Jack-Tisch dabei oder waren Zelt und Schlafsack wirklich so schwer? Unter Ausschöpfung aller Toleranzgrenzen und dem Charme von BG konnten die vier schließlich passieren.

Rund 20 Stunden später kam man erstaunlich erholt in Tokyo an. Bereits bei der Einreisekontrolle stellte sich das hervorragende Business-Englisch von BG als lückenhaft heraus, hatte sie doch einige Mühe ihre legale Einreise als Touristin zu verdeutlichen. Die Eindrücke von Tokyo waren überwältigend, auch wenn man nach drei Tagen das Gefühl hatte, jede noch so unbedeutende Sehenswürdigkeit besucht zu haben. Das Wetter war wunderbar, viel Sonne und fast 20 Grad, umso überraschender, dass BG eines lauen Abends mit Mütze und Handschuhen das Hotel verließ. Hatte sie etwa einen plötzlichen Wintereinbruch erwartet oder hatte sich die nächste Eiszeit für diesen Abend angekündigt? OH hatte wieder einmal Probleme mit der Zeitumstellung und war regelmäßig in der Nacht wach, während BG wohl allgemeine Schwierigkeiten mit der Uhrzeit hatte. So ließ sie bei der Stadtrundfahrt am Sky Tower den gesamten Bus einige Zeit warten, obwohl der Reiseleiter (diesmal nicht OH) die Abfahrtszeit mehrfach in bestem Schulenglisch genannt und sogar übergroß visualisiert hatte. Dass Tokyo nicht billig ist, war allen sicherlich bekannt, umso mehr dürfte der kostenbewussten BG, die täglich ihre Flasche mit frischem Leitungswasser füllte, der kostenlose Blick vom Rathaus der Stadt gefallen haben. Abends trank man gemeinsam ein Fläschchen Bier, was auch in der Billigkneipe mit rund 8 EUR zu Buche schlug. In Erinnerung an Japan werden sicherlich auch die immer freundlichen und hilfsbereiten Japaner bleiben, die obwohl ihre Englischkenntnisse denen von BG ähnelten, immer wieder versuchten, der kleinen europäischen wegen der vielen japanischen Schriftzeichen oft hilflos in die Gegend blickenden Reisegruppe den richtigen Weg zu erklären. Oftmals wussten wir vor den Erklärungsversuchen noch gar nicht so genau wo wir hin wollten, hinterher wussten wir es aber ganz bestimmt nicht mehr...

In Australien angekommen war dann endlich die erste Möglichkeit eines Casinobesuches gegeben. OH zeigte sich auch gleich nach den ersten gewonnenen Spielen großzügig und reichte dem Dealer ein angemessenes Trinkgeld. Dieser lehnte dankend ab, aber OH wollte etwas amüsiert den "Tip" weiterhin loswerden. Schließlich stellte sich heraus, dass nach australischem Recht Trinkgeld für Casinoangestellte strengstens verboten ist, so dass OH seinen Chip etwas beleidigt wieder einstecken musste. Die Route von Cairns nach Townsville durch landschaftlich einmalige Gebiete schien die meisten Reiseteilnehmer etwas zu überfordern. So wurde gegen das Votum von NOK beschlossen, die Wasserfälle Nummer 5 bis 7 einfach zu ignorieren, obwohl NOK zuvor durch geniale Abkürzungen die Strecke um mehrere Kilometer verkürzt hatte; zugegeben mit deutlichem Zeitverlust. In Townsville konnte BG mit einer physikalischen Sensation aufwarten. Den bei AA ausgeliehenen Fön trieb sie durch falsche Spannungseinstellung bis zum Verschmoren, ohne dass sie ihn angeblich überhaupt benutzt hatte. Die Tagestour mit dem Boot ins Great Barrier Reef zählte ohne Zweifel zu den Höhepunkten der Reise. Selbst der Nichtschwimmer NOK paddelte im offenen Meer und ließ sich auch nicht von den bunten Fischen und Meeresschildkröten in unmittelbarer Nähe aus der Ruhe bringen. Nur BG fiel etwas aus der Rolle, nicht bei Ihren Tauchgängen, die sie souverän meisterte, sondern am im Preis eingeschlossenen Mittagsbuffet, wo sie trotz englischer Aufforderung nur zwei Fleischstücke zu nehmen, sich den Bauch für die nächsten Tage voll schlug.

In Brisbane kam man einige Tage im altbekannten Backpackers unter. Allerdings wollte BG es nicht wahr haben, dass die strandnahe Unterkunft im eigenen Zimmer täglich rund 20 DM kosten sollte, sie hielt das für den gesamten 4-Tage-Zeitraum für angemessen. Abends in der überfüllten Disco (es wurden gerade die erfolgreichen Abi-Abschlüsse gefeiert) konnte man dann kräftig trinken, hatte sich doch AA todesmutig auf einen auf der Strasse liegenden Discount-Flyer (mit dem man Getränke zu Schnäppchenpreisen erhielt) gestürzt und diesen beschlagnahmt. Obwohl sie dabei etwas übereifrig unsanft auf dem Hinterteil landete wäre der Sprung dennoch erfolgreich gewesen, hätte man nicht an der nächsten Ecke die Gutscheine vom freundlichen Zettelverteiler problemlos ohnehin in die Hand bekommen.

In Sydney traf man sich mit RP, einem der zahlreichen Brüder von Piecha, der für längere Zeit nach Australien ausgewandert ist. AA war von RP ganz begeistert, hatte sie doch nur die ständig besoffenen, arbeitslosen Brüder aus Berlin im Gedächnis, und nannte den netten Jungen sogleich Leckerhasi. Zum Glück musste die Reisegruppe nach drei Tagen nach Neuseeland weiterfliegen, sonst wäre wohlmöglich... Am gemeinsamen Abend hatte man viel Spass, obwohl BG gar nicht dabei war. Dabei machte RP seiner Familie alle Ehre, obwohl früher als Nichtbiertrinker bekannt, hatte er sich in Australien schnell an den Gerstensaft gewöhnt, und trank ihn dann auch in reichhaltiger Menge und deutlich schneller als der Berufstrinker NOK. Allerdings war er dann am nächsten Tag zur vereinbarten Frühstückszeit nicht anwesend...

Im vorgebuchten Hotel in Christchurch (Neuseeland) war die Reservierung leider nicht angekommen. Als Entschädigung erhielt man aber ein riesiges Zimmer, welches von der Größe mit der Suite im Venetian locker konkurrieren konnte. Damit war es für BG, die Luxus gewöhnt ist, gerade richtig. Einen Tag später wollte man im Regen von Neuseeland doch nicht Zelten, sondern den gehobenen Ansprüchen entsprechend wieder in einem guten Hotel unterkommen. Diesmal war BG nicht mehr begeistert, sollte sie für die Übernachtung auch noch mehr als 20 DM bezahlen. Die einzigen Sonnenstrahlen in Neuseeland kamen rechtzeitig zum Bungee-Springen hervor. NOK zögerte keine Sekunde, allerdings wollte er auch nur möglichst schnell das Bier nach dem Sprung genießen. BG fand es auch nicht schlimm, forderte sie doch nach dem lächerlichen Sprung endlich von der viermal so hohen Brücke zu springen. Aber dafür fehlte wahrscheinlich nur das Geld... In dem 200 Seelendorf Marahau traf man eine ehemalige Schulfreundin von AA. BG war auch hier nicht die ganze Zeit dabei, weil sich die weltreisende, tropenerfahrene Urlauberin auf dem 200 m langen Weg zum Cafe verlaufen hatte.

Übrigens die zahlreichen Autofahrten (allein in Neuseeland 2800 km) verliefen sehr ruhig, da sich AA und BG durch Einnahme von Reisetabletten stets im Tiefschlaf befanden, während sich OH und NOK durch die Berge kämpften. Natürlich kamen auch die Quizspiele nicht zu kurz, so dass z.B. bei OH das europäische Fürstentum Lichtenberg hieß. Die Zeitplanungen von NOK waren wieder äußerst ehrgeizig. So wollte er die 200 km Serpentine zur Fähre inkl. Frühstückspause und Eincheckzeit in weniger als 3 Stunden bewältigen. Hätte man ihm geglaubt, so wäre mit Mühe die übernächste Fähre erreichbar gewesen...

Der Besuch in Auckland war besonders erholsam, da hier jeder die Stadt alleine durchquerte und man nicht auf die "schon mal vorgehende" BG warten musste.

Vor dem Abflug aus Neuseeland sollte jeder eine Ausreisesteuer in Höhe von 18 Dollar entrichten. Allerdings hatte NOK anhand des Tickets schnell erkannt, dass die geforderte Gebühr bereits mit dem Ticketpreis entrichtet wurde. Diese Auskunft gab er dann auch bereitwillig weiteren "dummen" deutschen Touristen. Nachdem auch der ungläubige OH seine letzten Neuseelanddollar zurückgetauscht hatte, stellte sich heraus, dass ohne die Zahlung der 18 Dollar das Passieren der Passkontrolle nur mit Waffengewalt zu erzwingen war. Also zahlte auch OH mit Kreditkarte...

Dann ging es endlich nach LA oder besser nach Las Vegas. OH, AA und BG fuhren mit dem Mietwagen nach Las Vegas weil sie auf dem Weg noch das Death Valley besuchen wollten. Aufgrund falscher Zeitplanung (hatte man vielleicht Kilometer und Meilen verwechselt?) erreichte man jedoch nur die Einfahrt des Nationalparks, um dann weil es dunkelte auch schon wieder weiterfahren zu müssen. NOK, der von zahlreichen früheren Besuchen den Weg von LA nach Las Vegas bereits mit geschlossenen Augen fahren konnte, entschloss sich diesmal, einen preiswerten Direktflug zu nehmen, um vielleicht die ein oder andere Stunden mehr in Las Vegas genießen zu können. Mit seiner ihm eigenen und von OH häufig kritisierten Gelassenheit beim check-in und boarding (10 Minuten vorher müssen reichen...) begab er sich also zum Abfluggate und wartete geduldig auf die Aufforderung zum Einsteigen. Als auch 6 (!) Minuten vor Abflug noch keine weiteren Fluggäste erschienen waren erfuhr NOK auf Nachfrage, dass alle Passagiere bereist längere Zeit an Bord warteten und wenn er sich dann beeilen würde, er möglicherweise gerade noch aufspringen könnte...In Las Vegas angekommen diskutierte man mit BG trotz des billigen Hotels wieder über das Preis-Leistungsverhältnis eines 10 Dollar-Buffets. Während des obligatorischen Besuchs der shopping-mall hatte sich NOK eigentlich vorgenommen, in guter alter TB-Tradition einige Calvin K. oder Tommy H.- Unterhosen zu erstehen. Da er aber auch am frühen Abend noch dem lustigen Verlauf des Vorabends ("verdammt noch mal, ich hatte einen doppelten bestellt!) Tribut zollen musste reichte es gerade mal für zwei unmotiviert gegriffene T-Shirts. Außerdem frönten die Jungs nicht nur dem Glücksspiel, sondern NOK kaufte auch gleich ein halbes Casino für zu Hause, was ihm alleine mit knapp US$ 800,- Transportkosten teuer zu stehen kam. Ob er das Geld jemals einspielen wird, ist noch offen.

Am letzten Tag in LA traf man einen weiteren Freund, den Ex-Siemensstädter BP, mit dem man im Hard Rock Cafe den abschließenden Saufabend bestritt. Wie aus der Vergangenheit bekannt eine gute Wahl, denn Björn Piecha, ähhh Pöhlker, wurde nur durch die Anwesenheit seiner Freundin am Konsum einer noch größeren Menge Bier gehindert.

Auf dem Rückflug hatte man sich entschlossen BG ihren "window seat" zu überlassen, um damit einige Reihen Abstand zu gewinnen. Als man dann nach gut 32 Tagen wieder in Berlin ankam, war NOK überglücklich, dass er abgeholt wurde und seinen Wagen nicht wieder in der Kurzparkzone gelassen hatte. Denn diesmal hätte der Betreiber knapp 10.000 DM verlangt...